Der Herausforderer: Was kann der neue Leapmotor B05?

17.07.2026 um 14:00 Uhr
    Ein gelbes Auto | © Leapmotor
    Leapmotor erobert den Automarkt ‒ und das auch in Europa. | ©Leapmotor

    Unser Autoexperte Olaf Schilling über die chinesische Automarke Leapmotor und deren neues Modell B05.

    Es tut sich was bei Autohäusern zwischen Alpen und Nordsee. Immer häufiger erscheint an den Fassaden ein neuer Name. Den kannten zumindest bis 2024 allenfalls die Brancheninsider: Leapmotor. „Leap“ bedeutet Sprung. Und genau einen solchen scheint die chinesische Automarke derzeit zu machen – und zwar nicht allein in Deutschland. Der Aufstieg verläuft mit erstaunlichem Tempo.

    Aus dem Newcomer wird Schritt für Schritt ein sichtbarer Akteur auf dem deutschen Markt. Und dahinter steckt nicht nur ein attraktiver Preis, sondern eine clevere Strategie: ein wachsendes Händlernetz, dazu eine Produktoffensive und die Unterstützung durch den Autokonzern Stellantis, der mit 51 Prozent die Mehrheit am gemeinsamen Joint Venture Leapmotor International hält.

    Der Leapmotor B05 im Test

    Nach dem kleinen T03 und den beiden SUVs B10 und C10 rückt dieser Tage ein Hoffnungsträger ins Rampenlicht: der B05, ein kompakter Stromer mit klaren Linien, rahmenlosen Türen und selbstbewusstem Auftritt. „Dies ist ein wichtiger Schritt in der konsequenten Umsetzung unserer Wachstumsstrategie in Deutschland. Mit dem B05 stärken wir gezielt unser Portfolio im volumenstarken C-Segment und unterstreichen unseren Anspruch, Elektromobilität für eine breite Kundengruppe attraktiv zu gestalten“, so Martin Resch, Geschäftsführer Leapmotor Deutschland.

    Der B05 ist günstig und gut

    Schon äußerlich will der 4,43 Meter lange Kompakte den europäischen Geschmack treffen – auch dank eines Designstudios in München. Das dürfte gut ankommen. Keine übertriebenen Design-Experimente, keine optischen Verrenkungen. Stattdessen eine moderne, aufgeräumte Form, die gleichzeitig dynamisch und alltagstauglich wirkt. Unter dem Blech arbeitet ein Elektromotor, der 218 PS auf die Hinterräder schickt. Das reicht für einen Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in rund 6,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h. Viel wichtiger im Alltag: Der B05 überzeugt, er fährt sich gelassen, souverän und überraschend erwachsen. Je nach Batteriegröße stehen 56,2 oder 67,1 kWh parat. Die größere Variante ermöglicht bis zu 482 Kilometer Reichweite.

    Viel Auto fürs Geld: Leapmotors kompakter B05 ist eine deutliche Ansage an die Konkurrenz. | ©Leapmotor

    Geladen wird mit bis zu 168 kW, unter günstigen Bedingungen ist der Akku in 24 Minuten (10 bis 80 Prozent) fit für die nächste Etappe. Der Verbrauch bewegt sich dabei um die 16 kWh pro 100 Kilometer. Zahlen, die auf dem Papier ordentlich aussehen – und auf der Straße ebenso.

    Innen dominiert das große 14,6-Zoll-Display das Cockpit, während hochwertige Materialien, bequeme Sitze und viel Platz (Kofferraum: 295 bis 1205 l) für ein angenehmes Ambiente sorgen. Das alles gibt es inklusive viel Ausstattung und moderner Technik zu sehr fairen Preisen ab 27.900 Euro* oder im Leasing ab 119 Euro pro Monat (4750 € Sonderzahlung, 36 Monate Laufzeit, 10.000 km/Jahr). Der B05 will aber nicht nur günstig sein. Er will gefallen. Kleinere Schwächen bei den Assistenzsystemen sollen mit „China Speed“ via Over-the-Air-Update behoben werden.

    Das Cockpit hat kaum Tasten und wird via Touchdisplay bedient. | ©Leapmotor

    Gemeinsame Pläne mit Opel

    Dass Leapmotor strategisch langfristig denkt, zeigt der Blick hinter die Kulissen. Gemeinsam mit Opel entsteht derzeit ein neues Elektro-SUV für das C-Segment. Entwickelt wird es von Teams in Deutschland und China, wobei zentrale Elemente der elektrischen Architektur und Batterietechnik von Leapmotor stammen. Das Projekt gilt als Blaupause für eine neue Form internationaler Zusammenarbeit und soll ab 2028 in Spanien gebaut werden.

    Außerdem setzt Leapmotor auf die Zusammenarbeit mit dem traditionsreichen deutschen Tuner und Veredler Irmscher. Das verleiht den Fahrzeugen eine individuelle Note. Eine Kooperation, die zeigt, wie schnell sich aus einer jungen Marke vertraute Partnerschaften entwickeln können. Das zweite Projekt nach dem erfolgreichen iC10 ist die Sonderserie B10 Dynamic, weitere sollen folgen.

    Ein Blickang: Irmscher hat nach dem iC10 auch den B10 Dynamic veredelt. | ©Leapmotor

    Für Leapmotor geht die Reise weiter. Resch: „Wir stehen erst am Anfang – und treiben die Transformation der Elektromobilität in Europa entschlossen voran.“ Die Modellpalette wächst, das Händlernetz ebenfalls. Der Name passt erstaunlich gut. Leapmotor macht einen großen Sprung. Und der B05 könnte genau das Modell sein, das dafür sorgt, dass auf den Sprung eine erfolgreiche Landung auch in Deutschland folgt.

    Mit „China Speed“ ‒ die Leapmotor-Neuheiten

    Produkt-Offensive: Gerade einmal seit 2015 ist Leapmotor am Start. Trotzdem gibt es gute und günstige Modelle, die absolut auf der Höhe der Zeit sind. Mitte Oktober präsentiert die junge chinesische Marke auf dem traditionellen Pariser Autosalon weitere interessante Neuheiten. Der B03X ist in China bereits als A10 bekannt. Das rund 4,27 Meter lange, rein elektrische City-SUV soll voraussichtlich noch zum Ende dieses Jahres zu einem Einstiegspreis von unter 25.000 Euro auch auf den europäischen Markt kommen.

    Der Preiskracher: Das pfiffige City-SUV Leapmotor B03X soll unter 25.000 Euro kosten. | ©Leapmotor
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    Noch günstiger dürfte der B03 werden. Das Steilheck-Modell ist eng mit dem SUV B03X verwandt. Der Marktstart ist für 2027 geplant. Dann könnte auch eine besonders sportliche Version des Leapmotor B05 anrollen, wahrscheinlich als B05 Ultra. Diese in China als Lafa 5 Ultra bekannte Sportversion zielt auf GTI und Co. und setzt sich innen wie außen optisch vom Standardmodell ab. Sein Heckmotor leistet 245 PS sowie ein maximales Drehmoment von 320 Nm, der Sprint auf 100 km/h soll in 5,9 Sekunden gelingen. Gut möglich, dass es über kurz oder lang auch die kürzlich in China vorgestellte 4.0-Plattform nach Deutschland schafft. Sie bietet u. a. 1000-Volt-Technologie, 115-kWh-Batterie und bis zu 700 Kilometer Reichweite. Ehrgeizige Pläne – aber „China Speed“ macht sehr vieles möglich.