Hyundai Ioniq 6 N: Charakterdarsteller unter Strom

22.06.2026 um 12:00 Uhr
    Der Hyundai Ioniq 6N macht selbst auf der Rennstrecke eine richtig gute Figur. | © Hyundai
    Der Hyundai Ioniq 6N macht selbst auf der Rennstrecke eine richtig gute Figur. | ©Hyundai

    Unser Autoexperte Olaf Schilling über den neuen Hyundai Ioniq 6 N und die Faszination von E-Sport.

    Es ist zwar noch durchaus kühl, doch langsam brennt die Sonne auf den Asphalt des Parcmotor de Castellolí, der auch als Kini Motorpark bekannt ist. Die Rennstrecke liegt rund 62 Kilometer von der spanischen Metropole Barcelona entfernt. In der Boxengasse riecht es nach warmen Reifen, Bremsstaub – und nach Aufbruch. Dann rollt lautlos der Hauptdarsteller an: der Hyundai Ioniq 6 N. Wobei „lautlos“ nur ein Teil der Wahrheit ist. Denn wenige Momente später hämmert künstlicher Motorsound durch den Innenraum des Autos, virtuelle Schaltvorgänge reißen an der Hinterachse, und die flache E-Limousine schießt auf die erste Kurve zu, als hätte irgendjemand bei einem Film den Vorspulknopf gedrückt. Beeindruckend.

    Das moderne Cockpit wirkt wie eine Kommandozentrale. | ©Hyundai

    Die Geschichte des High-Performance-Boliden beginnt Tausende Kilometer weit weg in Namyang, Hyundais Entwicklungszentrum in Südkorea. Dort entstand die sportliche N-Division, die seit 2017 auch in Deutschland für Aufsehen sorgt (siehe auch Randspalte). Denn das „N“ steht gleich zweifach für die DNA der Marke: für Namyang – und für die Nürburgring-Nordschleife, auf der jedes N-Modell seine finale Reifeprüfung absolvieren muss.

    Eine elektrische Revolution

    Anfangs glaubten viele noch an einen kurzen Ausflug der Südkoreaner in die Welt der Sportmodelle. Doch mit Autos wie dem i30 N, dem i20 N oder dem Kona N entwickelte sich Hyundai plötzlich vom vernunftorientierten Hersteller zum echten Spaßanbieter. Spätestens mit dem Ioniq 5 N begann dann die elektrische Revolution. Der erste vollelektrische N-Sportler überraschte mit bis zu 650 PS, 770 Nm Drehmoment und einer Fahrdynamik, die eher an einen Rallye-Boliden erinnerte als an ein schweres E-SUV. Vor allem aber bewies er, dass Elektromobilität nicht steril sein muss. Drift-Modus, simulierte Gangwechsel und künstliche Motorsounds sorgten für reichlich Diskussionen – und für ein breites Grinsen hinter dem Lenkrad.

    Wir durften den brandneuen Ioniq 6 N auf der Rennstrecke testen. Selten zuvor fühlte sich ein E-Auto derart lebendig an. Auf dem engen, technisch anspruchsvollen Kurs zeigt die flache Limousine sofort ihre Stärken: enorme Traktion, präzise Lenkung und ein verblüffend leichtfüßiges Fahrgefühl. Zwei E-Motoren mit bis zu 650 PS und 770 Nm Drehmoment katapultieren den Wagen dank N Boost in rund 3,2 Sekunden auf Tempo 100 und weiter auf bis zu 257 km/h. Beeindruckend, wie stabil und kontrollierbar er selbst bei hohem Tempo bleibt.

    Selbst Laien können die 2,3 Tonnen zum Driften bringen. | ©Hyundai

    Besonders faszinierend ist das virtuelle Achtgang-Getriebe. Natürlich schaltet hier mechanisch rein gar nichts. Doch die Software erzeugt spürbare Zugkraftunterbrechungen, sogar Lastwechselreaktionen und einen Sound wie ein hochdrehender Benziner. Tatsächlich beginnt man ganz automatisch mit den Schaltwippen am Lenkrad „hochzuschalten“. In Kombination mit verschiedenen Fahrprogrammen wird wohl bei jedem Fahrer der Spieltrieb geweckt. Der Ioniq 6 N wird fast zur Playstation auf Rädern – spätestens wenn man den spektakulären N Mode aktiviert.

    Der einzigartige Drift-Modus

    Auch fahrdynamisch wirkt der Ioniq 6 N erstaunlich ausgereift. Adaptive Dämpfer, Torque-Vectoring und die fein abgestimmte Allradregelung sorgen dafür, dass sich das Auto deutlich leichter anfühlt, als es tatsächlich ist. Selbst schnelle Richtungswechsel quittiert der Hyundai mit beeindruckender Präzision. Und wer es mal richtig übertreiben möchte, aktiviert den einzigartigen Drift-Modus. Willkommen in der schönen neuen Stromer-Welt.

    Spoiler und Heckflügel sorgen für Anpressdruck und damit Fahrstabilität. | ©Hyundai

    Dabei bietet der Ioniq 6 N ausreichend Platz und Alltagstauglichkeit. Der 84-kWh-Akku ermöglicht Reichweiten um 487 Kilometer. Dank 800-Volt-Technik lädt er unter optimalen Bedingungen in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent. 75.900 Euro sind gemessen am gelungenen Gesamtpaket – u. a. inklusive Sportsitzen, großer Bremsanlage, reichhaltiger Ausstattung und Performance-Technik – ein faires Angebot. Im Performance Leasing kostet der E-Sportler nur 599 Euro pro Monat (bei 48 Monaten Laufzeit, 20.000 km Gesamtlaufleistung und 990 € Sonderzahlung).


    Nach ein paar Runden bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Hyundai baut längst nicht mehr einfach nur schnelle E-Autos. Die Marke baut Charakterdarsteller unter Strom. Es lebe der Sport – selbst wenn er inzwischen an der Ladesäule beginnt.

    Mit dem Hyundai Ioniq 5N Taxi unterwegs in der „grünen Hölle“. | ©Hyundai

    Das N ist für die Südkoreaner nicht einfach nur ein Buchstabe, sondern eine ganze Erlebniswelt. Unter dem Button „Hyundai erleben“ oben auf der Homepage hyundai.de gibt es viele Möglichkeiten, seine Begeisterung für die sehr sportlichen Modelle auszuleben: egal ob N Community, N Fahrtrainings oder die N Collection. Vor allem die Hyundai Driving Experience bietet wirklich einzigartige Fahrerlebnisse: Man kann sich entweder im N Taxi (i30 N oder Ioniq 5N) über die legendäre Nürburgring-Nordschleife fahren lassen oder aber selbst am Steuer ein noch besseres Gefühl für die High-Performance-Modelle von Hyundai erfahren. Und die N-Zukunft wird ziemlich spannend. Branchenintern kursieren bereits Gerüchte über einen kompakten Ioniq 3 N mit wohl mindestens 300 PS als elektrischen GTI-Herausforderer.

    Noch gibt es den Hyundai Ioniq 3 „nur“ als attraktive N-Line-Version. | ©Hyundai

     Außerdem arbeitet Hyundai offenbar an weiteren N-Modellen mit Hybridantrieb. Bis 2030 könnte die Marke damit sowohl kompromisslose E-Tracktools als auch elektrifizierte Sportler für Puristen anbieten. Wer es etwas ziviler mag, wählt die sportlichen N-Line-Modelle. Sie bringen eine dynamischere Optik, straffere Fahrwerke und mehr Sportgefühl in den Alltag. Dank N Line Power Leasing ist bis zum 30. Juni z. B. der Einstieg bereits ab 179 Euro im Monat für den Hyundai Kona möglich.