Heiße Reifen bei Michelin und Bugatti Tourbillon

12.10.2026 um 11:00 Uhr
    Ein silberner Bugatti Sportwagen rast über eine Straße an einem Berg | © Bugatti
    Reifen-Gipfel: Michelin geht beim Bugatti Tourbillon an die Grenzen des technisch Machbaren. | ©Bugatti

    Unser Autoexperte Olaf Schilling über Michelin und die Reifenentwicklung für den Bugatti Tourbillon.

    Als der Bugatti Tourbillon auf die Michelin-Teststrecke im französischen Ladoux rollt, dreht sich alles um ein Detail: die vier einzigen Stellen, an denen 1800 PS auf die Straße treffen. Reifen wirken klein neben dem 8,3-Liter-V16 und drei E-Motoren – zwei vorne, einer hinten, mit jeweils 340 PS.

    „Enorme Beschleunigungskräfte, Höchstgeschwindigkeiten von über 400 km/h, hohe Querbeschleunigung in schnellen Kurven: All das muss über vier Kontaktflächen übertragen werden, die jeweils nicht größer sind als eine Postkarte. Was zwischen Reifen und Straße passiert, bestimmt das gesamte Fahrverhalten“, so Armin Kistner, Technischer Direktor für die Pkw-Reifenentwicklung bei Michelin. „Der Reifen ist das Wichtigste“, ergänzt Bugattis Chef-Entwicklungsfahrer Miroslav Zrnčević.

    1800 PS Systemleistung, null auf 100 km/h in 2,0 Sekunden und bis zu 445 km/h: Das Hypercar Tourbillon markiert für Bugatti den nächsten großen Sprung. Seine 24,8-kWh-Batterie arbeitet mit 800 Volt und ermöglicht mehr als 60 Kilometer rein elektrische Fahrt – zumindest theoretisch. 250 Exemplare sollen entstehen, der Startpreis liegt bei 3,8 Millionen Euro netto.

    Für Michelin ist Bugatti seit dem Veyron ein Entwicklungsauftrag aus der obersten Schublade. Das kann kaum ein anderer Reifenhersteller leisten. Schon beim Veyron musste ein Bugatti-Reifen bei 400 km/h stabil bleiben, präzise lenken, bremsen, Kurvenkräfte übertragen – und zugleich auf der Straße funktionieren. Das führt an die Grenzen des technisch Machbaren. Für den Chiron Super Sport mussten zum Beispiel die Reifen auf einem ehemaligen Space-Shuttle-Prüfstand getestet werden und bis zu 511 km/h standhalten. Während des Rekordlaufs mit 490,5 km/h drehten sie rund 4100-mal – und zwar pro Minute. Jeder einzelne Reifen wurde danach geröntgt.

    Power ohne Ende: Mit 1800 PS geht es in nur 2,0 Sekunden auf Tempo 100 und bis zu 445 km/h. | ©Bugatti
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    Leistung auf Straße bringen

    Und nun also der Bugatti Tourbillon. In Michelins Entwicklungs- und Testzentrum kamen 2025 nach monatelangen Simulationen auf virtuellen Prüfständen und gemeinsamer Entwicklungsarbeit nur noch drei Reifensätze in die finale Auswahl. „Wir haben gemeinsam aus mehreren speziell entwickelten Vorder- und Hinterreifenversionen über Jahre hinweg die ideale Kombination herausgearbeitet, die die Leistung des Fahrzeugs optimal auf die Straße bringt“, so Armin Kistner. Gefahren wurde auf unterschiedlichen Strecken – mit Messgeräten und menschlichem Gefühl.

    Genau darin liegt die eigentliche Kunst. Ein Hochleistungsreifen ist kein schwarzer Ring aus Gummi, sondern ein komplexer Verbund aus Karkasse, Gürtellagen, Fasern und Mischungen. Bei hohen Geschwindigkeiten darf er sich nicht unkontrolliert verformen. Er muss Grip aufbauen, Wärme beherrschen und dennoch alltagstauglich bleiben. Für den Tourbillon wurde deshalb nicht einfach ein vorhandener Reifen angepasst: Michelin und Bugatti konzipierten ihn parallel zum Auto.

    Luxus auf einen Blick: Beim recht edlen und futuristischen Cockpit trifft Hightech auf Haute Couture. | ©Bugatti

    Mehr als drei Jahre virtuelle Arbeit gingen den Fahrtests voraus. Wagen wir den Vergleich mit der Formel 1, der Königsklasse des Motorsports: Ein aktueller F1-Bolide wiegt inklusive Fahrer und Reifen mindestens 768 Kilogramm, der 1,6LiterV6Hybrid hat etwa 1000 PS. Der Tourbillon ist mehr als zweieinhalb Mal so schwer, hat rund 1800 PS und fährt 380 km/h. Wer den speziellen Speed-Schlüssel dreht, darf sogar 445 km/h fahren. Bei der Formel 1 liegt der Rekordwert 2026 bei 378 km/h. Auch beim Sprint auf 100 km/h ist der Bugatti mit 2,0 gegenüber ca. 2,5 Sekunden ebenfalls schneller.

    Bugatti dient als Reifenlabor

    Armin Kistner nennt den wichtigen Unterschied: „Unsere Bugatti-Reifen sind straßenzugelassen, F1-Reifen hingegen rein für die Rennstrecken entwickelt und ohne Alltagstauglichkeit. Das wirkt sich direkt auf die Haltbarkeit aus: Ein F1-Reifen ist auf maximalen Grip über wenige Rennrunden ausgelegt und verschleißt entsprechend schnell. Unsere Bugatti-Reifen müssen dagegen ein enorm breites Einsatzspektrum abdecken – von der Landstraße bis zur Rennstrecke.“

    Und was hat am Ende ein normaler Autofahrer davon? Jede Menge: Michelin nutzt Motorsport und Hochleistungsprojekte wie Bugatti als Labor. Materialien, Konstruktionen und digitale Verfahren, die sich unter Extrembedingungen bewähren, können später in Serienreifen einfließen. Wer mehr über Bugatti erfahren möchte, kann bei Autonotizen vorbeischauen.

    Sport an 365 Tagen: Neuer Ganzjahresreifen

    Kurven ohne Saison: Mit dem CrossClimate 3 Sport kennt sportliches Fahren keine Saison mehr. Michelin bietet mit ihm erstmals einen wintertauglichen Ganzjahresreifen für Sportwagen und Hochleistungslimousinen. Dank der 3PMSF-Kennzeichnung ist er auch für winterliche Straßenverhältnisse zugelassen – der saisonale Reifenwechsel kann entfallen. Sein präzises Handling passt zum Charakter sportlicher Fahrzeuge. Die Dynamic-Response-Technologie mit einem Hybridgürtel aus Aramid und Nylon überträgt Lenkimpulse präzise auf die Straße. V-förmige Profilrillen verbessern den Wasserabfluss.

    Das 3PMSF-Symbol bestätigt die Eignung für winterliche Straßen. | ©Bugatti

    Sehr gute Fahrdynamik: Wie sportlich der Allrounder ist, zeigte ein Test in der Dimension 225/40 R18: Beim Trockenbremsen aus 100 km/h kam er nach 38,4 Metern zum Stehen. Zudem überzeugt der CrossClimate 3 Sport mit sehr guter Fahrdynamik und starken Wintereigenschaften. Alles in allem bietet der Reifen das ganze Jahr über eine verlässliche Performance: vom ersten bis zum letzten Kilometer, vom Stadtflitzer bis zum Familienwagen und für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor genauso wie für jene mit E-Antrieb. Dabei profitiert die Reifenentwicklung von Michelins Motorsportkompetenz und den Erfahrungen aus Hochleistungsprojekten wie der Zusammenarbeit mit Bugatti.