Unser Autoexperte Olaf Schilling über Michelin und die Reifenentwicklung für den Bugatti Tourbillon.
Als der Bugatti Tourbillon auf die Michelin-Teststrecke im französischen Ladoux rollt, dreht sich alles um ein Detail: die vier einzigen Stellen, an denen 1800 PS auf die Straße treffen. Reifen wirken klein neben dem 8,3-Liter-V16 und drei E-Motoren – zwei vorne, einer hinten, mit jeweils 340 PS.
„Enorme Beschleunigungskräfte, Höchstgeschwindigkeiten von über 400 km/h, hohe Querbeschleunigung in schnellen Kurven: All das muss über vier Kontaktflächen übertragen werden, die jeweils nicht größer sind als eine Postkarte. Was zwischen Reifen und Straße passiert, bestimmt das gesamte Fahrverhalten“, so Armin Kistner, Technischer Direktor für die Pkw-Reifenentwicklung bei Michelin. „Der Reifen ist das Wichtigste“, ergänzt Bugattis Chef-Entwicklungsfahrer Miroslav Zrnčević.
1800 PS Systemleistung, null auf 100 km/h in 2,0 Sekunden und bis zu 445 km/h: Das Hypercar Tourbillon markiert für Bugatti den nächsten großen Sprung. Seine 24,8-kWh-Batterie arbeitet mit 800 Volt und ermöglicht mehr als 60 Kilometer rein elektrische Fahrt – zumindest theoretisch. 250 Exemplare sollen entstehen, der Startpreis liegt bei 3,8 Millionen Euro netto.
Für Michelin ist Bugatti seit dem Veyron ein Entwicklungsauftrag aus der obersten Schublade. Das kann kaum ein anderer Reifenhersteller leisten. Schon beim Veyron musste ein Bugatti-Reifen bei 400 km/h stabil bleiben, präzise lenken, bremsen, Kurvenkräfte übertragen – und zugleich auf der Straße funktionieren. Das führt an die Grenzen des technisch Machbaren. Für den Chiron Super Sport mussten zum Beispiel die Reifen auf einem ehemaligen Space-Shuttle-Prüfstand getestet werden und bis zu 511 km/h standhalten. Während des Rekordlaufs mit 490,5 km/h drehten sie rund 4100-mal – und zwar pro Minute. Jeder einzelne Reifen wurde danach geröntgt.
Und was hat am Ende ein normaler Autofahrer davon? Jede Menge: Michelin nutzt Motorsport und Hochleistungsprojekte wie Bugatti als Labor. Materialien, Konstruktionen und digitale Verfahren, die sich unter Extrembedingungen bewähren, können später in Serienreifen einfließen. Wer mehr über Bugatti erfahren möchte, kann bei Autonotizen vorbeischauen.
Kurven ohne Saison: Mit dem CrossClimate 3 Sport kennt sportliches Fahren keine Saison mehr. Michelin bietet mit ihm erstmals einen wintertauglichen Ganzjahresreifen für Sportwagen und Hochleistungslimousinen. Dank der 3PMSF-Kennzeichnung ist er auch für winterliche Straßenverhältnisse zugelassen – der saisonale Reifenwechsel kann entfallen. Sein präzises Handling passt zum Charakter sportlicher Fahrzeuge. Die Dynamic-Response-Technologie mit einem Hybridgürtel aus Aramid und Nylon überträgt Lenkimpulse präzise auf die Straße. V-förmige Profilrillen verbessern den Wasserabfluss.